Ein Vollmond, eine Göttin und ein Keks mit Eigelb
Vom chinesischen Neujahr hast du bestimmt schon gehört. Vielleicht auch von den Drachenbootrennen. Aber vom Mittherbstfest? Wahrscheinlich nicht. Dabei gehört es zu den wichtigsten traditionellen Festen in China. Ein Fest voller Symbolik, Familiengefühl, Mondverehrung und Poesie. Und es gibt sogar eine schöne Verbindung zur chinesischen Sprache.
Das Mittherbstfest wird jedes Jahr gefeiert, wenn der Mond am vollsten ist – am 15. Tag des 8. Monats im chinesischen Mondkalender. Nach unserem Kalender ist das meist im September oder Oktober. Es ist ein Moment der Ruhe, der Verbundenheit und kulturellen Tiefe. In diesem Artikel schauen wir uns die Bedeutung des Festes an und die chinesischen Wörter, die dazu gehören.
Die Magie des Vollmonds
Das Mittherbstfest – Zhongqiujie (中秋节) – findet genau dann statt, wenn der Mond rund und hell am Himmel steht. Die runde Form des Mondes steht in China für Einheit, Harmonie und Zusammensein.
Deshalb nennt man es umgangssprachlich auch Tuanyuanjie (团圆节), also: „Fest der Wiedervereinigung“. Die Idee von Rundheit und Vollständigkeit steckt tief in der chinesischen Sprache:
- yuan = rund / vollständig / wieder vereint
- tuan = sich versammeln
- jie = Fest
Die Symbolik ist stark: Wenn der Mond voll ist, sollten auch die Menschen zusammen sein – vereint als Familie. Im Chinesischen sagt man:
Yueliang yuan, ren tuan yuan
„Ist der Mond rund, sind die Menschen vereint.“
Warum überall Mondkuchen gegessen werden
Ein Mittherbstfest ohne Mondkuchen? Unvorstellbar. Diese runden, oft reich gefüllten Gebäckstücke heißen yue bing (月饼):
- yue = Mond
- bing = Kuchen / Gebäck
Mondkuchen werden mit Familie, Nachbarn und Kollegen geteilt ein Zeichen der Verbundenheit. Es gibt viele regionale Varianten, etwa den knusprigen su shi yue bing oder den klassischen lao shi yue bing. Innen steckt oft ein gesalzenes Eigelb, als Symbol für den Vollmond.
Mondkuchen sind also nicht nur lecker, sie zeigen auch, wie Sprache, Tradition und Symbolik in China zusammengehören.
Laternen, Licht und Sprachzauber
Am Abend ziehen Kinder (und Erwachsene) mit bunten Laternen durch die Straßen oder hängen sie zur Deko auf. Das chinesische Wort für Laterne ist denglong (灯笼):
- deng = Lampe / Licht
- long = Hülle / Käfig
Diese Laternen bringen Licht in die Dunkelheit und stehen für Hoffnung, Zukunft und Verbundenheit mit anderen und mit der Natur. Typisch für diese Zeit ist auch die duftende guìhuā (桂花), die Osmanthusblüte. Daraus wird Tee oder Wein gemacht. Sie steht für Harmonie und Glück.
Geschichten unter dem Mond
Wie bei vielen chinesischen Festen gibt es auch hier Mythen. Am bekanntesten ist die Geschichte von Chang’e, der Mondgöttin, und ihrem Mann Hou Yi, einem legendären Bogenschützen. Er rettete einst die Erde vor zehn brennenden Sonnen – verlor aber später seine Frau an den Himmel. Heute lebt sie für immer auf dem Mond.
Solche Geschichten leben weiter – in Gedichten, Theaterstücken und Liedern. Und in schönen Wünschen wie:
- Zhongqiujie kuaile! – Frohes Mittherbstfest!
- Tuanyuan kuaile! – Glückliches Wiedersehen!
- Ren yue yuan man – „Mond und Mensch sind vollkommen.“
祝你中秋节快乐! (Zhù nǐ zhōngqiūjié kuàilè!)
Frohes Mittherbstfest!
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