Arabisch lesen… Ein Workout fürs Gehirn
Wenn Sie Arabisch lernen, eignen Sie sich nicht nur eine neue Sprache an, sondern fordern Ihr Gehirn auch auf eine Weise heraus, die Sie vielleicht nicht erwarten. Einer der auffälligsten Unterschiede zum Beispiel zum Niederländischen ist die Schreibrichtung: Arabisch liest und schreibt man von rechts nach links. Und das stellt hohe Anforderungen an Ihr Gehirn.
Ihr Gehirn ist an „von links nach rechts” gewöhnt
In den meisten westlichen Sprachen verläuft der Text von links nach rechts. Unsere Augen sind darauf eingestellt. Beim Lesen machen sie kleine, schnelle Sprünge (Sakkaden) von links nach rechts, und bei jedem Sprung nehmen sie ein Stück Information auf. Unser Gehirn verarbeitet das blitzschnell über Sprachareale wie den Broca-Bereich (für das Sprechen und die Satzstruktur) und den Wernicke-Bereich (für das Verstehen von Bedeutungen). Beide befinden sich hauptsächlich in der linken Gehirnhälfte.
Arabisch erfordert mehr als nur Sprachverarbeitung
Lesen und Schreiben sind mehr als nur das Verstehen von Sprache. Man muss auch:
- visuelle Muster erkennen (z. B. Buchstaben, Punkte und Striche);
- diese Muster mit Lauten und Bedeutungen verknüpfen;
- die Augen fokussiert über den Text bewegen;
- und beim Schreiben Buchstaben präzise formen.
Die Richtung der arabischen Schrift bewirkt eine Umkehrung Ihrer visuellen Aufmerksamkeit. Während Sie bei lateinischen Sprachen Ihre Aufmerksamkeit automatisch von links nach rechts bewegen, müssen Sie nun genau das Gegenteil tun. Das verlangt Ihrer rechten Gehirnhälfte mehr ab. Dieser Teil Ihres Gehirns ist verantwortlich für die visuell-räumliche Aufmerksamkeit.
Ihr Sprachzentrum wandert nicht plötzlich auf die rechte Seite Ihres Gehirns, aber es kommt zu einer zusätzlichen Aktivität auf dieser Seite.
Arabische Buchstaben: flexibel und kontextabhängig
Ein weiterer besonderer Aspekt des Arabischen: Die Buchstaben ändern ihre Form je nach ihrer Position im Wort (am Anfang, in der Mitte oder am Ende). Im Gegensatz zur lateinischen Schrift, in der das „a” immer ein „a” bleibt, gibt es im Arabischen Buchstabenvariationen, die Ihr Gehirn noch zusätzlich analysieren muss.
Das bedeutet, dass Sie:
- sich mehr auf Mustererkennung verlassen müssen;
- schneller zwischen Details (z. B. ein kleiner Punkt macht einen anderen Buchstaben!) und dem Ganzen (wie das Wort als fließendes Muster aussieht) wechseln müssen.
Für diesen Wechsel benötigen Sie beide Gehirnhälften: die linke für Details, die rechte für das Gesamtbild.
Ist Arabisch also schwieriger für Ihr Gehirn?
Nicht unbedingt schwieriger, aber es aktiviert ein breiteres Netzwerk in Ihrem Gehirn. Sie nutzen weiterhin Ihre Sprachbereiche, beziehen aber mehr visuell-räumliche Systeme mit ein. Das erklärt auch, warum manche Menschen es am Anfang als „schwieriger” empfinden. Ihr Gehirn muss sich an ein anderes visuelles System anpassen.
Und das ist auch gleich die gute Nachricht: Ihr Gehirn kann das. Sie bauen buchstäblich neue Verbindungen auf. Viele Kursteilnehmer stellen fest, dass sie nach ein paar Tagen Übung flüssiger lesen, schneller Zusammenhänge herstellen und sogar anfangen, in arabischen Mustern zu denken.
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